KÖRPER

Tanzen ist die körperlichste und künstlerische Ausdrucksform des Menschen. Tanzen geschieht in der Bewegung und im Raum; in der Zeit und der Sichtbarkeit. Da mich diese Art der Bewegung seit geraumer Zeit fasziniert, entschied ich mich im Rahmen eines Studienprojektes, welches das Thema „Körper“ behandeln sollte, mich dem Tanz zu widmen. Ich begann meine Recherche über den menschlichen Körper, seine Flexibilität und seine Belastungssgrenzen. Da ein Projekt über Tänzer bereits länger geplant war, hatte ich bereits ein großes Sammelsurium ans Inspirationsquellen. Dazu gehörten unter anderem vor allem Bertil Nilssson, Andreas H. Bitesnich sowie der realtiv unbekannte Berliner Künstler Dean Barucija.

 

Die Fotografie ist in der Lage, die Dynamik und Dramatik des Tanzes sehr realitätsgetreu darzustellen. Der Fotografie gelingt es, die fortlaufenden Bewegungsabläufe und die Präzision des körperlichen Ausdrucks bildhaft zu erfassen und zu dokumentieren. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass die Fotografie selbst ein dynamisches Ausdrucksmedium ist, welches die Realität bewegter Körper im Raum zeigen kann. Der Raum selbst, sollte nicht das gewohnte Umfeld eines Tänzers, also eine Bühne im Scheinwerferlicht oder ein Trainingsraum sein, sondern etwas zeigen, was der Betrachter so nicht erwartet. Deshalb entschied ich mich die Tänzer mitten in der Stadt tanzen zu lassen.


Meine Regieanweisung war, das Umfeld genau zu analysieren, es als Tanzpartner zu betrachten und in der gewohnt eleganten Haltung und Körperspannung die Formen der Architektur im Hintergrund nachzuempfinden. Ich habe mich ganz bewusst für dieses recht statische Umfeld entschieden, da so der starke

Kontrast zwischen der körperlichen Flexibilität und Belastungsgrenze zum unbeweglichen Umfeld am leichtesten nachvollziehbar wird. Die Kompositionen aus Tänzern und Architektur wirken wie aus einem Guss und bringen eine gewisse Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit mit sich, sodass der Betrachter nicht zu fragen wagt, wieso ein Tänzer in dieser Kullisse mit seinem Auftritt beginnt. Die abgelichteten Tänzer wirken wie ein ästhetisches Spiegelbild, der sonst so steifen Architektur. Da ich sieben Tänzer aus verschiedenen Tanzrichtungen fotografiert habe, war bemerkenswert, wie unterschiedlich die Tänzer ihr Umfeld wahrnahmen und welche Formen für sie am einfachsten zu erfassen waren. Manche entschieden sich für Ecken und Kanten, andere wiederum bevorzugten organische Formen welche sie sehr sinnlich nachahmten. Eins hatten sie jedoch alle gleich: die Fusion von Intuition, Emotion und athletischer Körperbeherrschung. Ich war bei jedem Einzelnen beeindruckt von dieser künstlerischen Befähigung.

 

Die sieben Fotografien entstanden im Zeitraum November 2015 bis Januar 2016. Die Temperaturen in diesem Zeitraum erschwerten das Aufnehmen der Fotografien erheblich, jedoch musste die Qualität der einzelnen Fotos darunter glücklicherweise nicht leiden, was letztendlich entscheidend ist. Dieser Umstand spornt mich allerdings dazu an, das Projekt im Sommer fortzusetzen bzw. ein ähnliches Projekt zu beginnen. Der Name der Serie „Körper“ entstammt dem ursprünglichen Studienprojekt. Da sich in meinem Kompositionen ein statischer, wie ein flexibler „Körper“ verbinden, habe ich diesen Titel beibehalten.

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